Akuter IT-Vorfall? Erst sichern, dann entscheiden.+41 41 562 70 30
Leitfaden / Notfall

Ransomware im KMU: die ersten 60 Minuten.

Was in der ersten Stunde geschieht, beeinflusst Ausbreitung, Wiederanlauf und die spätere Klärung. Dieses Vorgehen schafft Ruhe, ohne technische oder rechtliche Schritte vorwegzunehmen.

KurzantwortHalten Sie die sichtbare Lage fest, begrenzen Sie eine mögliche Ausbreitung kontrolliert und vermeiden Sie spontane Bereinigungsschritte. Bestimmen Sie danach eine verantwortliche Kontaktperson und stimmen Sie das weitere Vorgehen ab.

0–15 Minuten: Lage sichtbar machen

Notieren Sie, wer wann was festgestellt hat: betroffene Konten, Geräte, Freigaben, Dateiendungen, Erpressungsnotizen und Fehlermeldungen. Erstellen Sie nur dann Screenshots, wenn dies gefahrlos möglich ist. Das Ziel ist eine gemeinsame Zeitlinie, nicht die sofortige Ursachenanalyse.

Fragen Sie auch nach bereits unternommenen Schritten. Wurden Systeme neu gestartet, Passwörter geändert oder Backups zurückgespielt? Diese Informationen helfen bei der späteren Einordnung.

15–30 Minuten: Ausbreitung begrenzen

Wenn eine laufende Verschlüsselung oder ein aktiver Missbrauch wahrscheinlich ist, kann eine kontrollierte Trennung betroffener Geräte oder Freigaben nötig sein. Stimmen Sie dies mit der verantwortlichen IT ab. Berücksichtigen Sie kritische Betriebsprozesse, Fernzugriffe und Abhängigkeiten zu Cloud-Diensten.

Vermeiden Sie pauschale Eingriffe. Ein breitflächiges Abschalten kann wichtige Betriebsfunktionen beeinträchtigen und zugleich verwertbare Hinweise verändern.

30–45 Minuten: Entscheidungen organisieren

Bestimmen Sie eine kleine Entscheidungsgruppe aus Geschäftsleitung, IT und bei Bedarf Datenschutz, Versicherung oder externen Fachpersonen. Legen Sie einen Kommunikationsweg fest: Wer dokumentiert den Stand, wer informiert Mitarbeitende, wer spricht mit Dienstleistern?

Je nach Fall können Melde- und Informationspflichten relevant werden. Die technische Einschätzung ersetzt keine rechtliche Beratung. Klären Sie diese Aspekte mit den zuständigen Fachstellen.

45–60 Minuten: Nächsten Schritt vereinbaren

Definieren Sie, welche Systeme und Quellen im nächsten Schritt betrachtet werden sollen. Dazu können Sicherheitsmeldungen, Anmeldeprotokolle, Endgeräte, Mailbox-Regeln oder Backup-Metadaten gehören. Übermitteln Sie keine Passwörter, Tokens oder vollständigen Log-Exporte über ungesicherte Kanäle.

Was Sie vermeiden sollten

  • Betroffene Systeme ohne Abstimmung neu installieren oder zurücksetzen.
  • Erpressungsnotizen, verdächtige E-Mails oder Protokolldateien löschen.
  • Unkoordinierte Passwortänderungen durchführen, ohne kritische Servicekonten mitzudenken.
  • Ungeprüfte Informationen intern oder extern weitergeben.
Akute UnterstützungWenn ein konkreter Vorfall vorliegt, nutzen Sie das Notfallprotokoll oder nehmen Sie direkt Kontakt auf. Diese Anleitung ist eine technische Erstorientierung und keine Rechtsberatung.